Das WeTab und die unerfüllten Erwartungen

In den letzten Tagen habe ich versucht möglichst viele Infos über die ersten Erfahrungen zum WeTab zu bekommen. Schließlich war das, was man bisher so von den Vorserienmodellen gelesen hatte, nicht wirklich berauschend.

So richtig viele, objektive und “seriöse” und fundierte Berichte habe ich bisher aber noch nicht finden können. Die üblichen Internetseiten, die gerne über IT-Produkte und Gadgets berichten, scheinen bisher auch noch kein WeTab zu haben. Auch hier scheinen die Autoren im Moment nur bei Facebook und anderen Foren ihre Infos zu sammeln.

Ein weiteres Phänomen ist mir beim Studium der ganzen “Berichte” aufgefallen und wurde bisher noch nirgends wirklich betrachtet. Die grundsätzliche Frage, die man sich doch zunächst mal stellen müsste, ist die Erwartung, die man an ein Tablet PC wie das WeTab hatte. Nur wenn ich die Erwartung kenne kann ich auch eine entsprechende Bewertung vornehmen.

Bei einigen Kommentaren gewinnt man den Eindruck, dass die entsprechenden Autoren sich lieber ein anderes Tablet Gerät beschaffen oder vielleicht doch ein Netbook vorziehen sollten.

WeTab (Quelle: WeTab.mobi)

Natürlich wurden die Erwartungen an das WeTab auch von den Machern sehr hoch gesetzt und können nun in vielen Punkten nicht erfüllt werden. Mich persönlich stört zum Beispiel auch, dass die Geräte nun deutlich schwerer sind, als angekündigt. Fehlende Funktionen, wie die MultiTouch Fähigkeit sind sicherlich auch nicht toll. Diese Funktion wird aber auch noch nicht viel bringen. Schließlich müssen die Apps auch dieses Feature nutzen.

Ein anderes Beispiel, welches als “Manko” in den Kommentaren immer wieder auftaucht ist die Touch-Fähigkeit diverser Anwendungen. Meist wird darauf herum geritten, dass Open Office nicht Touch-fähig ist. Da frage ich mich nur, was denn die potentiellen Käufer erwartet haben?

Einerseits wollen sie ein offenes System auf dem nahezu jedes Linux, Java, Adobe-Air und Android Programm laufen wird und auf der anderen Seite sollen diese Programme wohl auch noch alle von den WeTab Entwicklern Touch-fähig gemacht werden. In einem Bericht zu Tablet PCs auf einem anderen Blog bin ich schon mal kurz auf diese Problematik von allen Tablet PCs eingegangen. Möchte man diese Geräte als Laptop- oder Netbook-Ersatz nutzen, wird man im Moment noch einige Kompromisse eingehen müssen.

Bevor man also über das WeTab oder auch irgendein anderes Produkt herzieht sollte man sich vorab genau überlegen, welche Erwartungen man an das gewünschte Gerät hat. Die Erwartungen sollten dann idealerweise mit den technischen Daten und Erfahrungsberichten verifiziert werden. Zugegebenermaßen ist das beim WeTab im Moment schwierig. Aber wenn man ein Gerät zum Kaffee kochen sucht, ist ein Wasserkocher vielleicht nicht die richtige Wahl. Da kann aber dann der Wasserkocher nichts dafür.

Bevor das “Geschreie” auch auf meinem Blog los geht, möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich das WeTab hier nicht schön reden will oder vielleicht in meiner Euphorie völlig blind gegenüber einem unzureichenden Produkt bin. Eine Bewertung des WeTabs kann ich im Moment noch gar nicht vornehmen. Dazu möchte ich das Gerät selbst ausprobieren und gegen meine eigenen Erwartungen verproben.

Nachdem ich nun soviel über Erwartungen geschrieben habe, ist es vielleicht ganz sinnvoll, meine eigenen Erwartungen einmal zu formulieren. Daher gibt es nachfolgend einen kleinen Auszug meiner Erwartungen bzw. gewünschten Anwendungsfällen:

  • Ersatz meines Netbooks für (Urlaubs-)Reisen. Daraus folgt, dass das Gerät möglichst leichter sein sollte, gut zu transportieren ist und zum Beispiel unterwegs im Flugzeug gut handhabbar ist.
  • Nutzung als Lesegerät. Für mich sind Tablet PCs in erster Linie ein “Konsumgerät” und kein “Produktionsgerät”. Ich möchte damit komfortabel im Internet surfen, Bücher und Zeitschriften sowie Feeds und Tweets möglichst komfortabel verfolgen.
  • Komplett Ersatz für mein Netbook. Da ich mein Netbook – meist auf Reisen – auch für “produktive” Zwecke wie das Bloggen, erstellen von Texten und Entwicklung von Webseiten genutzt habe, würde ich wünschen, dass mit dem WeTab auch möglich ist.
  • Offenes System. Ich möchte Festplatten, USB-Sticks oder SD-Karten mit einem Tablet PC nutzen können ohne dass ich eine Synchronisation über einen PC durchführen muss. Ich möchte freie und unzensierte Apps nutzen können.
  • Steuergerät / Fernbedienung. Ich möchte gerne meine Media-Landschaft zu Hause über das WeTab steuern können (z.B. uPnP Server / Clients / MediaPlayer).
  • Kommunikation. Mailnutzung ist natürlich selbstverständlich. Gerne würde ich aber auch in das Thema Videotelefonie einsteigen und denke das Tablet PCs hier besonders gut geeignet sind.
  • Spielen und Video. Spiel- und Videokonsum spielen eine eher untergeordnete Rolle. Im Bereich Video wäre es aber schon interessant, wenn man Apps wie die “Sky Sport App” auch zur Verfügung stehen würden (vielleicht als Android Version)
  • Drucken. Fast vergessen, aber Drucker sollte ich (idealerweise über das Netzwerk) auf jeden Fall einbinden können. Dieses Manko stört mich bei meinem iPad immer wieder.

Damit dürfte wahrscheinlich auch ein Schwerpunkt meiner zukünftigen Erfahrungsberichte fest stehen. Gerne nehme ich aber auch Anregungen für bestimmte Tests auf, die euch interessieren.

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4 Antworten auf Das WeTab und die unerfüllten Erwartungen

  1. Andreas_P sagt:

    Soo: Nachdem wir uns alle wieder beruhigt haben, gehe ich mal kurz auf diverse “Apps” ein, die vermutlich bald auf dem WeTab zu haben sein werden:

    Nein, das ist jetzt nicht nur für Linux Freaks!
    Produkte (eher Projekte) wie Amarok, Marble, Bangarang etc werden früher oder später genau die Leute erreichen, die es auch wollen, vermutlich sogar kostenlos…
    Warum? Ganz einfach: Weil das WeTab ja Linux als Basis hat. Zu kurz?: Gut ich hole mal etwas weiter aus: Eine Handvoll Leute kennt nicht nur Linux sondern auch einen dazugehörigen Desktop namens “KDE”: Und die Entwickler arbeiten ALLE mit dem Werkzeug QT, dass jetzt Nokia gekauft hat, und die wiederum haben sich mit Intel zusammengeschlossen für MeeGo. KDE nennt sich inzwischen aber nur noch die weltweit verteilte Entwicklercommunity, KDE SC heißt die Softwarepalette die vom KDE Team angeboten wird. Man wird es höchst wahrscheinlich nicht wissen, aber diese Leute haben das Prinzip des Desktops revolutioniert! Und nun haben sie angefangen eine sehr clevere “Mobil-Strategie” zu fahren, und ihre Ideen wirklich weiterzuverbreiten. Was es schon gibt: Kontact-Mobile (das Büro fürs N9+i)… keine Sorge das wird auch ähnlich auf dem WeTab laufen. Marble-Mobile (Der Geheimtipp Atlas mit OpenStreetMap Integration), und das sind nur zwei Programme von ca. 100000 die das Team und deren Supporter bisher umgesetzt haben. Es reicht vom vollautomatischen Musikplayer, hin zu einem Programm in dem Algorithmen visualisiert werden, über ein natives Zeichenprogramm, das Corel Painter bald in nichts mehr nachstehen wird.

    Mit anderen Worten: Das was KDE (www.kde.org), (planet.kde.org), (www.koffice.org) ausmacht wird früher oder später Einzug in die diversen “freien” Software Repositories (vlt. auch AppStores) für mobil kommen.
    Aber KDE sind natürlich NICHT die einzigen: Gar nicht weit dahinter ist das GNOME Projekt und die haben ebenfalls angefangen ihre Sachen zu “mobilisieren”. Banshee (MONO ist TOLL!) ist ja der Musikplayer auf dem WeTab und der erscheint jetzt nächste Woche in Version 1.8 und der ist, JA, richtig vom GNOME Projekt!

    Meine Lieblingsanwendung dürfte dann (falls es mal alles gibt) Krita Multitouch sein, sorry für den langen Artikel, aber das Warten LOHNT SICH.

    Mit freundlichen Grüßen, Andreas_P

  2. Heiko sagt:

    Hallo Jürgen,

    vielen Dank für den wirklich gelungenen Artikel!
    Es ist grade in der letzten Tagen eine Hetzjagd auf die WeTab Anbieter entbrannt, die ich kaum nachvollziehen kann. Da ist das was Du sprichst endlich mal objektiv betrachtet. Ich habe in den letzten Tagen viele Artikel von ntv, haz, Spiegel Online gelesen, wo ich immer mehr den Anschein gewonnen habe, dass sich ein Cluster aus Redakteuren gefunden haben, die wenig objektiv eine Hetzjagd betreibem, das WeTab aber noch nie in den Händen gehalten haben. Es wird schlichtweg ein Schuldiger gesucht worden, der aktuell die Presse füllen soll. Wenn man sich aber die Kommentare der Artikel anschaut, dann erkennt man, dass die Leute so ein offenes System absolut haben wollen und immer noch hinter dem WeTab stehen, das finde ich gut. Die Redakteure werden wahrlich verspottet für Ihre kunstvolles und wenig fachliches Gequatsche. Andernfalls schreibt uns nämlich der Apfel bald vor, welche Software wir einsetzen, welche Werbung wir ertragen müssen, nein das wollen wir nicht.
    Ich teile Deine Erwartungshaltung komplett und wenn man diese hat, dann ist das WeTab genau das richtige Gerät.
    Ich hatte das WeTab heute mal wieder in der Hand, ich bin immer noch begeistert. Ich habe Multitouch, WLAN und Utms ausprobiert. Mutlitouch ging nur im Bildbetrachter, war aber interessant flüssig, ich hätte weniger erwartet. Im Browser hätte ich es auch gerne, hatte aber ne Latenz von 3 Sekunden. Das ist aber egal, weil es nur Software ist und die noch verbessert wird. Lesen und Scrollen kann man auch jetzt schon. ich dachte, dass der Monitor so schlecht sein soll, dass man nichts erkennen kann. Meiner Meinung ist der sogar recht kontraststark, allerdings war ich damit nicht im Sonnenlicht. Wenn man ihn auf den Tisch legt, dann kann man weniger von vorne schräg erkennen, es reicht aber. Aber so ist das auch nicht gedacht. Es dient halt zum in Händen halten, dafür ja auch die Scrollleisten, die mit den Daumen zu steuern gehen. Diese seitlichen Probleme beim WeTab gibts übrigens bei normalen Tft’s ebenso.
    Mir persönlich ist das Gerät zu teuer, da ich bereits ein NetBook habe, wenn es günstiger wäre, würde ich es ebenso als “Konsumgerät” kaufen, denn damit könnte ich ideal am Abend wenn GZSZ läuft (brrrr.) noch surfen, Artikel lesen, bei Save.tv aufnahmen tätigen oder Streams schauen.
    Ich würde als Fazit damit sagen, dass die Software update-bedarf zeigt, aber das ist ja auch angedeutet worden, pro Quartal einmal. Ist halt wie bei Ubuntu, da gibts auch regelmässig updates und ab und zu geht mal wieder nichts (update zu grub beispielsweise zerstörte den Bootloader.)
    Noch ein Abschlusswort, ich hätte mich gefreut, wenn die Berliner Anbieter des WeTab Ihren Mitarbeitern jeweils ein Gerät zu einem vergünstigten Preis angeboten hätten … ich hätte es nämlich angenommen!

    Viele Gruesse

    Heiko

  3. Nadine Fernandez sagt:

    Die Seite ist super, aber bei mir sind die Ladezeiten ganz schön lang. Ich nehme nicht an, dass das an der Leitung liegt, die meisten anderen Websites laden deutlich schneller. Haben andere Leser auch diese Erfahrung gemacht?.

    • Jürgen sagt:

      Hmm, eigentlich habe ich bisher keine langen Ladezeiten auf meiner Seite feststellen können. Vielleicht lag es doch an deiner Leitung.

      Vielleicht war dies aber auch nur der Versuch, einen “sinnvollen” Kommentar zu hinterlassen, damit man einen kleinen “Werbelink” einbauen kann. Diesen habe ich mir erlaubt zu entfernen. Wer Bedarf hat, kann gerne – gegen kleines Geld – Werbung auf meinem Blog schalten. Kommerzielle Links in den Kommentaren werde ich aber in der Regel entfernen!

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