Die bisherige Leidensgeschichte des WeTab und seine Folgen

Das hat sich Helmut Hoffer von Ankershoffen sicherlich ganz anders vorgestellt. Ist er doch im April diesen Jahres als potentieller Herausforderer von Apple aufgetreten und wollte mit dem WeTab (damals noch WePad) dem iPad ein wenig Konkurrenz machen.

Zwar hat er schon damals immer darauf hingewiesen, dass das WeTab kein iPad Ersatz ist, aber die Werbeaussagen haben ganz klar gezeigt, wie das WeTab gegen das iPad positioniert werden sollte. Alle fehlenden Funktionen des iPads sollten mit dem WeTab zur Verfügung stehen.

Da war von Flash die Rede, USB-Sticks die man anschließen kann und überhaupt sollte das WeTab eigentlich alle Möglichkeiten eines “normalen” PCs liefern und damit evtl. sogar ein Ersatzgerät für ein Laptop oder ein Netbook sein.

Helmut Hoffer von Ankershoffen, Managing Director of IT firm Neofonie GmbH, holds the WePad tablet computer during its presentation in Berlin April 12, 2010. REUTERS/Thomas Peter (GERMANY - Tags: SCI TECH BUSINESS)

Mittlerweile ist das Gerät nun seit ca. 2 Wochen auf dem Markt und von den vielen Werbeversprechen ist nun nichts mehr zu finden. Das Gerät wurde mal eben 300 Gramm schwerer, der Akku reicht durchschnittlich eher 4 Stunden und beim Bildschirm hätte man evtl. auch noch ein wenig mehr investieren sollen.

Außerdem gibt es keine Apps und der versprochene Zugang zu Android Applikationen ist auch noch nicht vorhanden. Lediglich die Offenheit und die vielen Anschlussmöglichkeiten sind geblieben. Hier wurde in der Tat nicht zu viel versprochen, auch wenn im Moment noch nicht alles so funktioniert, wie es sollte.

Irgendwie könnte man meinen, dass Herr Hoffer von Ankershoffen mit der ganzen Produkteinführung kein glückliches Händchen bewiesen hat. Begonnen hat es mit teilweise peinlichen Produktvorstellungen. Wurden doch auf einem angeblichen Linuxgerät auf einmal Windows Fehlermeldungen aufgeblendet. Statt die Funktion am Gerät selbst zu zeigen, wurde ein Film auf dem Gerät abgespielt.

Ein weiterer Fehler war meiner Meinung nach die verfrühte Auslieferung der Geräte. Bereits im April konnte man sich ein WeTab bei Amazon bestellen. Im Juli sollten erste Geräte für Vorbesteller zur Verfügung stehen. Ich selbst hatte mich zu einem Betaprogramm angemeldet, von dem ich nie wieder etwas gehört habe.

A customer examines the WeTab tablet computer during the first day of its sales in an electronics supermarket in Berlin, October 1, 2010. WeTab uses a Linux-based open-source MeeGo operating system and is available with a starting price of 569 euro.  REUTERS/Pawel Kopczynski  (GERMANY - Tags: BUSINESS)


Alle Termine konnten nicht eingehalten werden. Dies lag wahrscheinlich auch an dem Wechsel den Betriebssystems. Irgendwann hat dann wohl auch Herrn Hoffer von Ankershoffen die Ungeduld gepackt und er wollte den geplanten Auslieferungstermin für September auf jeden Fall halten.

Was dabei heraus gekommen ist, können viele WeTab Besitzer nun feststellen. Ein Produkt, welches sich eigentlich im Betastadium befindet und durch zahlreiche Updates bis zum Jahresende optimiert werden soll.

Wahrscheinlich hat ihn die Angst getrieben, dass mittlerweile zahlreiche weitere Ankündigungen von Tablet-PCs gemacht wurden. Dabei sind viele Hersteller hier etwas vorsichtiger und haben zum Teil erst für 2011 entsprechende Auslieferungen angekündigt. Es wäre also durchaus noch Zeit gewesen. Und ein Tablet-PC mit den Eigenschaften des WeTab ist auch bei den ganzen Ankündigungen eigentlich nicht zu finden.

Nachdem der Start nun auch nicht so geglückt war, hat sich Herr Hoffer von Ankershoffen noch in das nächste Fettnäpfchen gesetzt. Unter Pseudonym verfasst er bei Amazon Lobeshymnen auf sein WeTab. Die Folge ist, dass er seinen Geschäftsführerposten bei der WeTab GmbH zunächst ruhen lässt.

Doch damit nicht genug. Wahrscheinlich haben Geschäftsleitung und Aufsichtsrat der Teilhaberfirmen der WeTab Gmbh, Neofonie und 4Tiitoo, langsam die Nase voll gehabt. Folge ist, dass Herr Hoffer von Ankershoffen nun aus der Geschäftsleitung auch der Neofonie ausgeschieden ist. Aus persönlichen Gründen heißt es offiziell.

Viel schlimmer noch. Die potentiellen Partner Gruner und Jahr sowie Ringier distanzieren sich mittlerweile von dem WeTab. Haben diese Verlage zu Beginn noch in Aussicht gestellt, dass ihre Produkte – wie zum Beispiel der Stern – auf dem WeTab zur Verfügung stehen, wollen sie mittlerweile von entsprechenden Partnerschaften nichts mehr wissen.

Gruner und Jahr wird sich nun zunächst auf das iPad konzentrieren und Ringier hat scheinbar nie wirklich geplant, das WeTab zu unterstützen (siehe auch heise.de).

WePad mit Stern Magazin Darstellung (Quelle: WePad Pressemappe)

Aber so ist das nunmal. Wäre das WeTab eingeschlagen wie ein Bombe, würden wahrscheinlich alle noch zu Herrn Hoffer von Ankershoffen stehen. Jetzt, wo das WeTab nicht den hohen Erwartungen entspricht, will man nichts mehr damit zu tun haben.

Schade, dass in diesem Fall ein Visionär seine tollen Ideen nicht in die Praxis umsetzen konnte und sich scheinbar in seiner eigenen Scheinwelt verlaufen hat.

Da kann man nur hoffen, dass sich das WeTab trotz all dieser Hindernisse in den nächsten Wochen und Monaten gut entwickeln wird. Fehler aus der Vergangenheit kann man nun nicht mehr gut machen. Aber ein Neuanfang ist durchaus möglich.

Hoffen wir das die “neuen” Verantwortlichen das durchaus vorhandene Potential des WeTabs heben und es trotzdem noch zu einem erfolgreichen Produkt machen. Schließlich besteht die Nutzung eines WeTab nicht nur aus der Bereitstellung elektronischer Magazine. Auch auf dem iPad dauert es ziemlich lange, bis ansprechende deutsche Magazine in multimedialer Form zur Verfügung stehen. Darüber hinaus können sich die Verlage nicht wirklich mit Apples App-Politik anfreunden und werden weiterhin nach Alternativen suchen.

Auf Grund des Betriebssystem MeeGo, welches zukünftig wahrscheinlich bei vielen mobilen Geräten zu finden ist, werden sich dann auch die Verlage wieder Gedanken, machen, diese Geräte mit ihren Produkten zu bestücken.

Schauen wir also, was in den nächsten Monaten passiert und ob ich dann immer noch etwas auf diesem Blog zu berichten habe.

Weitere Infos:

Kress.de – Projekt mit Neofonie zurück gestellt…

BaslerZeitung – Ringier begräbt WeTab-Pläne

Winfuture – Neofonie kündigt neue Geschäftsleitung an

WeltOnline – Ab August hat das iPad einen deutschen Konkurrenten

wissen.de – Die zweite Attacke aufs iPad muss sitzen

Meedia – Mr. WeTab: “Wir bereuen nichts”

Computerwoche – Mit dem WePad aus Berlin gegen Apples Übermacht

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2 Antworten auf Die bisherige Leidensgeschichte des WeTab und seine Folgen

  1. skull77 sagt:

    Hallo,

    gute Zusammenfassung. Ich befinde mich grade mit meinem WeTab in einer Zwickmühle. Ich habe gestern den zweiten Pixeltot erleben müssen, weshalb mein Tab nun definitiv beim Mediamarkt umgetauscht wird. Die Softwaremängel, damit kann ich leben, aber tote Pixel im Blickfeld gehen einfach nicht. Nun weiß ich allerdings nicht, ob ich mir das WeTab nochmal holen soll, oder einfach noch etwas warte. Wobei das Warten bei mir wirklich eine schwierige Angelegenheit ist. Vor allem, weil es mir auch irgendwie Spaß macht, mit jedem Update die neuen Funktionen zu testen, so denn sie denn da sind. Schwierige Sache das.
    So wie ich dich verstehe, wirst du dein Tab auf jeden Fall behalten. Meine Frage ist, nur weil du es nicht mehr umtauschen kannst, oder weil du es wirklich behalten möchtest?

    • Jürgen sagt:

      Ich denke in der Tat, dass ich das WeTab behalte. Grundsätzlich könnte ich es noch bei Amazon zurück geben. Ich finde aber immer noch, dass das WeTab Potential hat und im Moment eigentlich nur ein paar interessante Apps fehlen. Andererseits bin ich in der glücklichen Lage bereits ein iPad zu besitzen und kann daher auch noch ein wenig warten, dass das WeTab endlich so funktioniert, dass man es gut nutzen kann.

      Jeder, der ein wenig Geduld hat, sollte vielleicht noch bis Dezember warten und schauen was passiert. Möchte man aber jetzt schon ein voll funktionsfähig Tab für das ausreichend und vor allen Dingen gute Apps verfügbar sind, der kommt im Moment um ein iPad nicht herum. Er darf sich nur nicht ärgern, dass er nicht drucken kann, kein Multitasking hat und auch keine SD-Karten oder USB-Sticks nutzen kann.

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